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Das IGK zu Gast bei der Vertretung des Landes Niedersachen bei der Europäischen Union in Brüssel

Vom 16. Juli bis zum 10. Oktober 2014 ist das Institut für Gestaltungspraxis und Kunst-
wissenschaft mit der Ausstellungen MASKEN / MASKENHAFT zu Gast bei der niedersächsischen Landesvertretung bei der Europäischen Union in Brüssel.

MASKEN / MASKENHAFT
Malerei und Zeichnung von Constanze Böhm  & Fotografien von Greta Giese

Ob es sich um eindeutig erkennbare Masken oder maskenhafte Phänomene handelt, es gibt kaum einen Tag, an dem wir keinen Masken begegnen, oder bewusst oder unbewusst eine von ihnen tragen.

Trotz ihrer Allgegenwärtigkeit werden Masken in der Kultur-wissenschaft vor allem mit dem antiken Theater und den Zeremonien ursprünglicher Gesellschaften in Verbindung gebracht, wie etwa der Ijele-Maskerade der Igbo in Nigeria oder den Potlatch-Transformationstänzen der Kwakwaka’wakw in Kanada. Auffällig ist die große Vielfalt an Rollen und Zeremonien in denen Masken, überdies in unterschiedlichster Gestaltung, ihren Einsatz finden.

So überrascht es kaum, dass Künstler, insbesondere der Moderne, immer wieder von Masken fasziniert und inspiriert wurden. In der Malerei von James Ensor (1860-1949) und Emil Nolde (1867-1956) begegnet man folglich wiederholt verschiedenen, nicht immer eindeutig identifizierbaren Masken, in der Fotografie von Man Ray (1890-1976) wiederum einer klar erkennbaren mblo-Portrait-maske, die ganz eindeutig den heute in Elfenbeinküste lebenden Baule zugeordnet werden kann. Die Entwicklung des Kubismus, der aus heutiger Sicht wohl revolutionärsten Neuerung in der Kunst des 20. Jahrhunderts, wäre zudem ohne den Einfluss außereuropäischer Masken überhaupt nicht möglich gewesen.

Mit ihrer kulturwissenschaftlichen wie kunsthistorischen Bedeutung sind Masken auch am Institut für Gestaltungspraxis und Kunstwissenschaft der Leibniz Universität Hannover immer wieder auf reges Interesse gestoßen, zuletzt in einer theoretisch-praktisch angelegten Seminarveranstaltung, die im Sommer 2013 in einer Ausstellung ihren Höhepunkt fand und
im Internet unter www.igk.phil.uni-hannover.de dokumentiert ist.

Vertretend ist hier eine Auswahl an Werken von Constanze Böhm und Greta Giese zu sehen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Themenkomplex Masken auseinandersetzen. Während sich die Malerei von Constanze Böhm innovativ der Herausforderung stellt, wie man Menschen portraitiert, denen jede Maske verwehrt wurde, setzen sich die beiden Fotoserien von Greta Giese kritisch mit der oftmals angespannten Beziehung zwischen Ich und Gesellschaft auseinander.

Dr. Uta Protz

Malerei und Zeichnung von Constanze Böhm 

Ich sehe Dich I Geistige Anomalien

Die ausgestellten Arbeiten basieren auf Bildmaterial, alten Dias, welche mutmaßlich zu dokumentarischen oder Lehr-Zwecken Anfang der 1950er Jahre in verschiedenen
Psychiatrien in Nord-deutschland aufgenommen wurden. Die Frauen, Männer und Kinder,
die dem Betrachter derart preisgegeben wurden, sind durchnummeriert sowie mit Namen, Geburtsdatum, Aufenthaltsort und Diagnose auf dem Diarahmen betitelt.

Ihre Gesichter jedoch sprechen eine andere Sprache, als die Daten, denen sie zugeordnet sind. Was kann man in ihnen erkennen, außer sich selbst, die eigenen Vorstellungen, das eigene Leben? Das Bild, das sich jeder macht, bleibt subjektiv. Wenn man Sehen als Erkennen begreift, so kann damit lediglich ein Prozess beschrieben werden, der sich im
Laufe von Jahrzehnten und von Mensch zu Mensch verändert und entwickelt, aber nicht in
einer festen Zuschreibung münden will.

In der malerischen Übersetzung, herausgelöst aus dem Kontext ihrer Katalogisierung, entfalten die Menschen in den Bildern von Constanze Böhm ihr Leuchten, ihr Schweigen, ihre Kraft und Verletzlichkeit zu Facetten menschlichen Seins, die auf den Betrachter zurücksehen. Entlassen in die Anonymität kreist ihre Malerei um Unschärfe und Vielschichtigkeit des Blicks, der nicht nur von Betrachter zu Bild, sondern genauso zurückwandert. Dieser Moment der Präsenz, ausgedrückt in Gestik, Mimik oder Körperhaltung, vermag ein Stück Würde zurückzugeben.

 

 Fotografien von Greta Giese 

Knopf für Knopf

Knopf für Knopf bedeckt sich mein Gesicht, schnürt mich ein, versperrt mir die Sicht, nimmt
mir die Luft. Was ist es, was mich einengt? Es sind die Erwartungen Anderer an mich, die ich gerne erfüllen möchte und für die ich mich verbiege, die ich vielleicht aber nicht immer erfüllen kann. Im schlimmsten Fall erkenne ich zuletzt mein eigenes Ich nicht wieder. So verwandelt sich Schritt für Schritt bzw. Knopf für Knopf mein Gesicht zu einer Maske.

Auf Augenhöhe

Die hier vorgestellten, großformatigen Fotoarbeiten inszenieren Augenpaare, wie sie aus Zeitschriften ausgeschnitten wurden. In der Erprobung zeigte sich, dass die natürlich belassenen Augen immer viel interessanter wirkten, als die perfekt geschminkten und retouchierten Augen von Models und Stars.

Ich hielt mir ein Augenpaar vor meine Augen, verband es so mit meinem Gesicht, hielt meine neue Erscheinung mit einem Foto fest und wurde zugleich zu einer anderen Person. Was ist geschehen? Ich erkenne mich selbst nicht wieder, sehe aber auch nicht die Person, der ich das Augenpaar entnahm.

Erstaunlich, wie schnell eine neue Person, eine neue Persönlichkeit entsteht.